Filippo Faes, Pianist und Dirigent

Von der Presse als einer der tiefsinnigsten und kreativsten Pianisten seiner Generation gefeiert, wurde Filippo Faes nach seinem Triumph beim Internationalen Schubert-Wettbewerb in Dortmund 1989 sieben Jahre hintereinander als Solist mit Orchester in die Kölner Philharmonie und in die Hamburger Musikhalle eingeladen, wo er stets vor ausverkauftem Haus spielte. Ähnlichen Erfolg hatten seine Debüts im Gasteig in München, in der Liederhalle Stuttgart, dem Palais des Beaux-Art in Brüssel, der Salle Stravinsky Montreux, Auftritte in der Kammermusikreihe der Philharmonie Berlin, im Concertgebouw Amsterdam, bei den International Recitals der BBC in London und Konzerte im Mishkenot Center in Jerusalem, unter Dirigenten wie Piero Bellugi, Alun Francis, Volker Hartung, Peter Maag, Carl Melles, José Serebrier, Leon Spierer u.a.

Filippo Faes hat sich besonders als tiefgründiger wie lebendiger, origineller und oft überraschender Schubert-Interpret einen Namen gemacht. Mehrfach führte er den vollständigen Zyklus der Klaviersonaten auf und nahm wiederholt an Schubertiaden teil (wie 1997 bei den Schwetzinger Festspielen, zusammen mit Elisabeth Leonskaja, dem Prazak Quartett und Dietrich Fischer-Dieskau). Er hat als Autor Programme über Schubert und seine Musik für den italienischen Rundfunk produziert und viele seiner Symphonien dirigiert.

Zu seiner Tätigkeit als Solist gesellen sich kammermusikalische Auftritte (mit Partnern wie Ulf Rodenhäuser, Babette Dorn, Alexander Hülshoff, Christoph Henkel, Anna Serova, Eszter Haffner, Bruno Giuranna, Salvatore Accardo, Toby Hoffmann u.v.a.) und das Dirigieren, aber auch intensive Studien im Bereich des Melodrams gemeinsam mit Maddalena Crippa und Milena Vukotic, mit der er die Erstaufführung in italienischer Sprache von Viktor Ullmanns Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke gestaltete. Im Juni 2009 dirigierte Filippo Faes zu Andrea Palladios 500. Geburtstag im Teatro Olimpico in Vicenza die Uraufführung von Azio Corghis neuer Oper Giocasta, mit Chiara Muti als Sprecherin und den Swingle Singers.

Zusammen mit Angela Annese und Marco Baliani schuf er eine Dramaturgie zu Lord Byrons dramatischem Gedicht Manfred, mit Musik von Tschaikowski, die von RAI Radio 3 übertragen und auf einigen der bedeutendsten Musik- und Theaterfestivals Italiens aufgeführt wurde. Mit „Ensemble Punto It“, dessen künstlerischer Leiter er ist, war er laufend in innovativen Projekten engagiert, wie auch als Autor verschiedener Fernsehprogramme über Musik (z.B. der 1999 für RAI SAT produzierten und seit dem mehrfach ausgestrahlten Sendereihe seiner Conversazioni al pianoforte).

2006 war Filippo Faes Dirigent des Krasnoyarsk Chamber Orchestra in der Uraufführung von Azio Corghis Fero dolore (in der Version für Mezzosopran, Viola und Orchester) auf einer Italien- und Russland-Tournée. Der Satelliten-TV-Sender Classica widmete diesem Ereignis einen eigenen Dokumentar lm. Ebenfalls als Dirigent hat Faes Das Lied von der Erde von Mahler in der Fassung von Schönberg-Riehn auf einigen der wichtigsten Festivals Italiens aufgeführt. Im Sommer 2008 war er gleichzeitig Pianist und Dirigent der Uraufführung von Senza vincitori né vinti von Alessandro Grego, nach einem Text von Mario Rigoni Stern und Francesco Niccolini (Sprecher: Arnoldo Foà), einem Ereignis, das unter enormen Publikumsinteresse im Freien, auf der Frontlinie des ersten Weltkriegs auf dem Monte Tomba, stattfand.

Filippo Faes leitet Projekte wie Che Musica parli? (Ob Musik sprechen kann?) in Montebelluna 2006, E se chiedessimo a Beethoven…? (Und wenn wir Beethoven fragten…?) im Palazzo Leoni Montanari in Vicenza (seit 2006) und Scintille (Funkeln) in Treviso (2013), Reihen mit Gesprächskonzerten mit dem Ziel, Aktualität, Vitalität und revolutionäre Kraft der Musik zu entdecken – und ihre erstaunliche Fähigkeit, zum Menschen von heute zu sprechen.

Filippo Faes ist Professor für Kammermusik, Klavier und Liederinterpretation am Konservatorium Castelfranco Veneto und gibt Meisterkurse in Europa, den USA, Südamerika, Neuseeland und Südostasien.